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Aus unserer Arbeit

Wir in Wilstedt

Verständnis für Eltern

53 Mitarbeitende der KiTa –Verbände Rotenburg – Verden und Osterholz-Scharmbeck laufen in Wilstedt bei Nacht.

Das macht Spaß!

Das verbindet!

Das tut gut!

 

Evangelische KiTa…läuft! Wann seid Ihr dabei?

Fachtag 2018

Verständnis für Eltern

Sorgten für einen informativen und und unterhaltsamen Tagungsauftakt: Dr. Sabine Lottermoser (von links), Bettina Paul-Renken, Saher Khanaqa-Kükelhahn, Frank Stuckenbrok und Bettina Fischer.

Mehr als 230 Erzieherinnen und Erzieher aus den 19 evangelischen Kindertagesstätten der Kirchenkreise Rotenburg, Verden und Osterholz-Scharmbeck trafen sich zu einem gemeinsamen Fachtag, die die pädagogische Leitung der Ev.-luth. Kita-Verbände Rotenburg-Verden und Osterholz-Scharmbeck für ihre Mitarbeitenden organisiert hatte. Im Haus Niedersachsen der Rotenburger Werke setzten sich die Teilnehmenden in diesem Jahr intensiv mit dem Thema Zusammenarbeit mit Eltern auseinander.

Das Thema wurde von den Mitarbeitenden gewünscht“, sagt Bettina Paul-Renken, Pädagogische Leitung des ev.-luth. Kita-Verbandes Rotenburg-Verden. Sie organisiert regelmäßig Fortbildungen für die Mitarbeitenden der zwei Kita-Verbände. Die Expertin unterstreicht die Relevanz des Themas, denn kleine Menschen verbringen immer mehr Lebenszeit in Einrichtungen. Sie kommen immer jünger und werden immer häufiger ganztags betreut. „Für eine gelingende Kita-Arbeit ist eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig“, sagt Paul-Renken.

In einem Impulsvortrag informierte Dr. Sabine Lottermoser, Leitende Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Fachklinik St. Vitus in Fisbek, über die entscheidende Bedeutung von verlässlichen Bindungen für Kinder. Bereits in den ersten drei Jahren stellen Bezugspersonen die Weichen für die persönliche Entwicklung eines Kindes. Das Fehlen einer sicheren Bindung führt beim Kind zu Dauerstress im Gehirn. Das kann unterschiedliche Reaktionsarten nach sich ziehen wie beispielsweise sich selbst ausschalten, Unruhe und Überaktivität oder aggressives und destruktives Verhalten gegenüber Sachen und Personen.

Für viele Anwesende neu war die Erkenntnis, dass es dabei nicht auf die Menge der Bindungspersonen ankommt. Bereits eine einzige Person ist ausreichend. „Und wenn Eltern das nicht können, finde ich es gut, wenn Sie das können“, richtete sich der Appell der Referentin an die Erzieherinnen und Erzieher im Raum.

Doch Eltern, die ihren Kindern aus unterschiedlichen Gründen keine ausreichende Bindung geben können, sind nur eine sehr kleine Gruppe, mit denen es die Mitarbeitenden in Kitas zu tun haben.

Allerdings ist es notwendig, mit dieser Thematik vertraut zu sein, denn auch in den Kitas muss eine gute und sichere Bindung zu den Kindern aufgebaut werden. „Das ist die Grundlage für die Arbeit mit den Kindern und die vertrauensvolle Zusammenarbeite mit den Eltern. Unsere Herausforderung ist es, Eltern in verschiedenen Lebensphasen zu begegnen, sie zu verstehen und Zugang zu ihnen zu finden“, sagt Paul-Renken.

Deshalb folgten auf den Impulsvortrag rund 15 Workshops, in denen die verschiedenen Lebenssituationen von Eltern und Möglichkeiten für eine effektive Elternarbeit näher beleuchtet wurden. Dazu gehörten beispielsweise Eltern in Trennungssituationen, Eltern mit Suchtproblemen, Eltern, die nicht von ihrem Smartphone lassen können, Eltern mit Schulden oder auch Eltern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Darüber hinaus gab es Workshops zu Gesprächsführung, zur Elternkooperation oder auch zu gelingenden Elternabenden.

Aus den Workshops kamen sehr positive Rückmeldungen. Dort wurde sehr intensiv und hochmotiviert gearbeitet“, sagt Paul-Renken. Die Workshop-Leitungen hatten Fachleute übernommen, die in verschiedensten Institutionen und Beratungsstellen arbeiten. „Es ist gut zu wissen, dass wir Erzieherinnen und Erzieher in ein großes Netz eingebunden sind, auf das wir zugreifen können, wenn wir Hilfe brauchen.“

Um den inhaltlich anspruchsvollen Tag ein wenig aufzulockern, hatten die Veranstalter die Schauspieler Saher Khanaqa-Kükelhahn und Frank Stuckenbrok vom Bremer Impro-Theater „Inflagranti“ eingeladen, das Thema Bindung und Kindergartenalltag auf humorvolle Weise in Szene zu setzen. Zusammen mit ihrer Pianistin Bettina Fischer zeigten sie die Dinge aus völlig ungewöhnlichen Blickwinkeln – sehr zum Vergnügen der Tagungsteilnehmenden.

Fachtag 2016

Was starke Kinder brauchen

Immer ein anschauliches Beispiel aus der eigenen Arbeit als Erzieherin parat: Referentin Carola Behrend aus Berlin

Mehr als 200 Erzieherinnen und Erzieher aus den 17 evangelischen Kindertagesstätten der Kirchenkreise Osterholz-Scharmbeck, Verden und Rotenburg und trafen sich zu einer gemeinsamen Fortbildung. Im Haus Niedersachsen der Rotenburger Werke setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit dem Thema Resilienz auseinander.

Der Begriff leitet sich vom englischen Wort „resilience“ (Spannkraft, Elastizität) ab und bezeichnet die Fähigkeit, selbst in schwierigen Lebenskrisen und nach schweren Schicksalsschlägen wieder auf die Beine zu kommen. Diese „Widerstandsfähigkeit der Seele“ ist ein relativ neues Forschungsgebiet. Es untersucht, welche Faktoren ausschlaggebend sind und wie gefährdete Personen gezielt unterstützt werden können.

Resiliente Kinder rechnen mit dem Erfolg eigener Handlungen, gehen Problemsituationen aktiv an, nutzen eigene Ressourcen effektiv aus und können realistisch einschätzen, wann etwas für sie unbeeinflussbar und außerhalb ihrer Kontrolle ist. Diese Kompetenz können alle Kinder erwerben, egal unter welchen Bedingungen sie aufwachsen. Und diese Kompetenz können auch Erwachsene noch erwerben.

Die erste Überraschung für die Anwesenden der Fortbildung kam gleich zu Beginn von Carola Behrend. Die gelernte Erzieherin und Sozialwissenschaftlerin aus Berlin hielt den Impulsvortrag und erklärte sehr anschaulich mit vielen Beispielen aus ihrer eigenen Arbeit, dass eigentlich nicht die Kinder ängstlich wären, sondern die Erwachsenen. Sie trauten sich nicht, die Kinder allein Erfahrungen sammeln oder allein Konflikte lösen zu lassen. „In vielen Erwachsenen steckt die Angst, nicht genug für ihre Kinder getan zu haben“, sagt Behrend und meint damit nicht nur Eltern, sondern auch Erzieherinnen und Erzieher, die den Tag der Kinder in häufig sehr in engem Zeitkorsett getaktet hätten, um viele Elemente frühkindlicher Erziehung unterbringen zu können (Singen, Spielen, Basteln, Essen, Vorlesen, frische Luft und vieles mehr).

Nur resiliente Teams können die Resilienz der Kinder fördern“, sagt Behrend und ermuntert die Anwesenden, mehr Ruhe in den Kita-Alltag einziehen zu lassen. „Nicht die Masse ist entscheidend,“ sagt sie und ermahnt: „Wir brauchen uns gesund.“

Im Anschluss an den Vortrag arbeiteten die Teilnehmenden in zwölf Workshops zu verschiedenen Aspekten des Themas, von denen mehrere auch den Bereich „Glauben“ mit einbezogen. „Wir ziehen ein sehr positives Fazit aus dem Tag“, sagt Bettina Paul-Renken, die Pädagogische Leitung des ev.-luth. Kita-Verbandes Osterholz-Scharmbeck. Sie hatte die Veranstaltung federführend vorbereitet. Auch für sie ist es von großer Bedeutung, dass Resilienz nur gelingen kann, wenn es die Kita-Teams auch selber praktizieren. „Wir werden jetzt überlegen, wie wir das Gelernte gemeinsam mit den Teams umsetzen können.“